Wohnmobilfahren gestern und heute

Seit bald 25 Jahren fahre ich mit dem Wohnmobil durch die Lande. In erster Linie sind Wochenendtouren zu nennen, da ich fast jedes Wochenende on Tour war. Im Sommerurlaub waren die Bretagne jahrelang ein Hauptziel, inzwischen sind Urlaube in Südfrankreich und Deutschland dazu gekommen. Inzwischen erfreut sich der Wohnmobilmarkt einer Beliebtheit wie nie zuvor. Vor 25 Jahren wurden wir noch als Zigeuner oder Rumtreiber beschrieben. Heute merkt die kleinste Gemeinde, dass man mit den modernen Zigeunern und Rumtreibern echt Geld verdienen kann. So entstehen viele neue Stellplätze mit den unterschiedlichsten Ausstattungen und Ausrichtungen. Der moderne Mobilist benötigt eine campingplatzähnliche Ausstattung – am liebsten umsonst. Zu Beginn meiner Mobilistenzeit waren die Stellplätze rar gesät. Die ProMobil hatte damals einen richtig guten Job gemacht und versucht, den Mobilisten einen positiven Stempel für die Bevölkerung aufzusetzen. Die Handvoll Wohnmobilfahrer waren mehr oder weniger eine eingeschworene Gemeinde. Auf den Straßen wurde gegrüßt, wenn sich Wohnmobile begegneten. Auf den Stellplätzen saß man oft abends zusammen bei einem Wein oder Bier, redete über Touren, gab sich Tipps und Tricks (damals wurde “Tipps” noch mit einem “p” geschrieben) und schöne Stellplätze wurden beworben. Eine Stromsäule gab es nur auf wenigen Plätzen, eine Ver- und Entsorgung dagegen waren fast überall verbaut. Die schönsten Entsorgungen waren die von den Gemeinden oder Betreibern selbst entwickelten. Manche waren sehr abenteuerlich, viele super durchdacht. Sehr wenige Mobilisten gingen um 19:00 Uhr ins Wohnmobil und schauten den ganzen Abend in die Flimmerkiste. Naja, Hymerfahrer waren nicht immer die beliebtesten… Smile

Wenn ich mich in der Gegenwart auf Stellplätzen umschaue, dann merke ich, dass das “neue” Wohnmobildasein ein komplett anderes ist. Auf den Plätzen wird es anonymer und es ist bei weitem nicht mehr so locker. Wenn ein Wohnmobil auf den Stellplatz kommt, wird erst einmal geschaut, ob der Sat-Empfang gut ist. Erst dann wird das Wohnmobil ausgerichtet. Kuschelcamping ist so beliebt wie nie zuvor. Vorschriften werden durch Möchtegernplatzhirsche, die Neueinsteiger sind, versucht durchzusetzen.
Vor etlichen Monaten waren wir auf einem Stellplatz im Schwarzwald, naturbelassen, etwas außerhalb. Wir verbrachten den Abend draußen vor dem Nachbar-Wohnmobil und lauschten den Gitarren- und Sangeskünsten des Mobilisten. Es war weder laut noch sang er zu schief. Vor 21:00 Uhr wurde sich beschwert, dass doch endlich Ruhe sein soll!?!? Ich für meinen Teil merke, dass mir das Wohnmobilfahren und das dazugehörige Miteinander auf einem Stellplatz durch die Masse der neuen Mobilisten immer mehr verleidet wird. Vor 25 Jahren waren die wenigen Mobilisten aus Begeisterung und Idealismus dabei. Heute kommt es mir so vor, dass man sich ab einem gewissen Alter fragt, was man mit dem ganzen Geld und der Freizeit machen könnte. Die Rente steht vor der Tür, das Haus ist abbezahlt, die Kinder sind versorgt… Bei der Bestellung des neuen Wohnmobils spielt Geld anscheinend kaum eine Rolle. Es wird alles an Zubehör reingebaut – keine Ahnung wofür, aber hauptsache ich habe es.

Quo vadis Wohnmobil?

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